Er gilt als einer der bekanntesten deutschen Dichter und humoristischen Zeichner: Heinrich Christian Wilhelm Busch. Seine Bildergeschichten sind Klassiker.
 
Er gilt als einer der bekanntesten deutschen Dichter und humoristischen Zeichner: Heinrich Christian Wilhelm Busch. Seine Bildergeschichten sind Klassiker; sie wurden in 200 Sprachen übersetzt und stehen seit Generationen in jedem gut sortierten Bücherregal. Sein berühmtestes Werk ist bis heute „Max und Moritz“. Doch wer war dieser Wilhelm Busch, der 1832 in einem kleinen niedersächsischen Dorf geboren wurde? Glaubt man seiner Biografin Eva Weissweiler, war er vor allem gern allein:
„Also, dass er ein Einsiedler und Eigenbrötler war, das hatte sich ja schon weitgehend herumgesprochen. Ja, und dann war für mich natürlich überraschend, dass doch weit über das Eigenbrötlerische hinaus, sagen wir mal, eine sehr bedenkliche psychische Konstitution bei ihm vorherrscht.“
 
Wilhelm Busch wuchs in einem behüteten Elternhaus mit sechs Geschwistern auf. Insofern ist es eigentlich seltsam, dass er später immer allein sein wollte, dass er zum Eigenbrötler, also zu einem Außenseiter und Sonderling wurde. Als er älter wurde, führte Buschs Schwester Fanny seinen Haushalt. Besucher ließ er nicht zu und verbot auch Fanny, ins Dorf zu gehen. Er wurde zum Einsiedler, zu jemandem, der am liebsten allein ist. Gesundheitlich ging es ihm (bald) schlecht. Trotzdem rauchte er weiter 40 bis 50 Zigaretten am Tag und trank zu viel. Offenbar war seine psychische Konstitution bedenklich, seine seelische Verfassung war nicht sehr gut.
 
Doch zurück zu den Anfängen, bevor Wilhelm Busch zum Eigenbrötler wurde: Als junger Mann hatte er zunächst Maschinenbau studiert, sein Traum war es aber, Maler zu werden. Er überredete die Eltern, ihm ein Kunststudium zu finanzieren, doch er brach es ab – sein Talent reichte nach eigener Einschätzung nicht. Mit dem Zeichnen begann Busch dann, um überhaupt etwas Geld zu verdienen. Er wollte nämlich um 1862 die 17-jährige Kaufmannstochter Anna Richter heiraten und eine Familie gründen. Doch ihr Vater lehnte den 30-jährigen Bewerber ab, denn er wollte seine Tochter keinem Künstler ohne regelmäßiges Einkommen anvertrauen. Wie sollte er auch ahnen, dass Busch später mit „Max und Moritz“ weltberühmt werden sollte? Der erste Verleger lehnte das Buch übrigens ab, dem zweiten, Kaspar Braun, gefiel die Geschichte. Er zahlte Busch 1000 Gulden, das entsprach etwa zwei Jahreslöhnen eines Handwerkers und war für den noch unbekannten Zeichner sehr viel Geld. Und so erblickten am 4. April 1865 Max und Moritz mit einer Auflage von 4000 Stück das Licht der Welt:
 
„Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen. Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Max und Moritz hießen. Die anstatt durch weise Lehren,

sich zum Guten zu bekehren, oftmals noch darüber lachten und sich heimlich lustig machten.“
 
Max und Moritz zu bekehren, sie dazu zu bringen, sich brav zu verhalten, war nicht möglich. Sie lachten über die weisen Lehren, die klugen Verhaltensregeln der Erwachsenen. Daher protestierten viele Pädagogen gegen das Buch, in dem zwei böse Jungen die Helden waren. Natürlich hat Wilhelm Busch in der Geschichte viele Dinge übertrieben dargestellt, aber genau das war auch seine Absicht, sagt der Germanistikprofessor Walter Pape:
 
„Das Ganze ist ja als Satire gemeint, und zwar als Satire einmal auf die damaligen Kinderbücher, die alle lieb und brav gewesen sind, die von Engelein und von den Wiesen und von Bübchen gesprochen haben. Und dann natürlich auch Satire auf das, was wir heute so gern Spießbürgertum nennen, wenn Sie an den Lehrer Lämpel denken beispielsweise, der da selbstzufrieden seine Pfeife raucht.“
 
Busch sah seine Zeit sehr kritisch. Er mochte das Spießbürgertum nicht, also Menschen, die keine Veränderungen wollen und immer nur das tun, was die Gesellschaft für richtig hält. Wer sich nicht daran hält, wird von ihnen verurteilt. Ebenso wenig konnte Busch selbstzufriedene, von sich selbst überzeugte Leute leiden, die meinen, dass sie alles richtig machen. Deshalb hat er wohl auch den Lehrer Lämpel, eine Figur bei Max und Moritz, erfunden. Mit bösem Spott und Ironie, mit der Satire, übte er Kritik an den damaligen Zuständen. Er glaubte auch nicht daran, dass alle Kinder Engelein, Engel, und Bübchen, brave Jungen, waren, wie sie in allen Kinderbüchern dargestellt wurden. Buschs Biografin Eva Weissweiler ist sich sicher, dass er mit „Max und Moritz“ die sozialen Verhältnisse im 19. Jahrhundert anklagen wollte.
 
„Man muss bedenken, das ist in den 1860er Jahren entstanden, im damaligen Königreich Hannover, was damals einen unsäglichen Niedergang erlebte. Auf dem Land war ein schreckliches Elend ausgebrochen, die Tagelöhner verhungerten scharenweise. Und dann vagabundierten ganze Kinderbanden über Land. Das müssen Tausende elternloser, streunender Kinder gewesen sein. Selbstverständlich konnten die sich durch nichts anderes als durch dieses Hühnerstehlen, als durch Brezel stehlen – alles, was in Max und Moritz geschildert ist – ernähren. Insofern ist das Stück eine bittere soziale Anklage gegen die vollgefressene dörfliche Bourgeoisie, gegen eine Witwe Bolte, die es sich leisten kann, vier Hühner alleine zu essen.“
Zu Buschs Lebzeiten erlebte das Land einen unsäglichen Niedergang, die Verhältnisse im Königreich wurden extrem schlecht. Damals gab es viele Tagelöhner, Arbeiter, die nur tageweise einen Job bekamen: Da es aber kaum Arbeit gab, starben sie scharenweise, sehr viele von ihnen verhungerten. Viele Kinder hatten keine Eltern mehr; sie wussten nicht, wohin, und vagabundierten oder streunten umher. Das heißt, sie liefen ohne ein Ziel durchs Land und stahlen oft etwas zu essen – zum Beispiel von der vollgefressenen Bourgeoisie, also den wohlhabenden Bürgern, die nie Hunger leiden mussten. Dass Kinder, um die sich niemand kümmert, frech oder sogar kriminell werden wie Max und Moritz, ist eigentlich kein Wunder. Es nimmt ein böses Ende mit ihnen, der Bäcker zermahlt sie zu Korn. Für Germanistikprofessor Walter Pape hat Wilhelm Busch hier eine ironische Botschaft an den Leser eingebaut:
 
„Der hat zum Schluss die als Saat enden lassen. Da denkt man immer: ‚Die Armen sind da zermahlen worden‘ und so. Am Ende kommen die verwandelt als Saatkorn da raus. Das heißt, er hat die Saat der Anarchie und der Unruhe damit gesät.“
Max und Moritz werden nicht einfach nur zu Saatkörnern, sie wurden gesät als Saat der Anarchie. Wenn diese Saat heranwächst, wachsen auch diegesetzlosen Zustände im Land. Das zumindest ist die Theorie des Germanistikprofessors. Ob Busch das wirklich sagen wollte, ist nicht bewiesen, zumal die Saat gar nicht aufgehen konnte. Die Körner wurden nämlich von Gänsen gefressen. Ziemlich sicher ist aber, dass Max und Moritz auch ein wenig autobiografisch ist: Max sah Buschs bestem Freund aus Kindertagen, dem Müllersohn Erich Bachmann, sehr ähnlich, und beide liebten es, anderen Streiche zu spielen. So war Wilhelm zehn Jahre alt, als er von seinem Onkel eine gehörige Tracht Prügel bezog, weil er einem Dorfbewohner die Pfeife mit Kuhhaar gefüllt hatte. Die Lust an der Schadenfreude behielt Busch trotz der Schläge:
 
„Man ist ein Mensch und erfrischt und erbaut sich gern an den kleinen Verdrießlichkeiten und Dummheiten anderer Leute. Selbst über sich selbst kann man lachen mitunter. Und das ist ein extra Pläsier.“
 
Busch erbaute sich, er erfreute sich, an den Verdrießlichkeiten, den Ärgernissen und unangenehmen Dingen, die andere Leute erlebten. Heutzutage ist das Wort nicht mehr sehr gebräuchlich, genauso wenig wie Pläsier, was so viel wie Vergnügen bedeutet. Dieses Pläsierempfanden damals die Leser von „Max und Moritz“, denn noch zu Lebzeiten Wilhelm Buschs wurde das Buch ein Kassenschlager. Die erste Übersetzung erschien 1866 in Dänemark, es folgten eine englische und 1887 sogar eine japanische Ausgabe. Es war der Anfang seiner erfolgreichen Karriere, in der er viele weitere Geschichte wie „Die fromme Helene“ oder „Fips, der Affe“ zu Papier brachte.
 
Ganz nebenbei erfand Busch damals auch die Sprache des modernen Comics: „Schwuppdiwupp – ritzeratze – kritze kratze – knusper knasper“ – all diese Worte sind Lautmalereien, die bis dahin unbekannt waren. Für viele bekannte Comiczeichner ist Busch bis heute eine Inspiration. Dabei wollte er längst nichts mehr von seinem zeichnerischen Werk wissen, als er 1908 im Alter von 75 Jahren starb. Für 50.000 Goldmark hatte er sämtliche Rechte an seinen Bildergeschichten abgetreten, um die letzten 13 Jahre zurückgezogen hinter langem Bart und unter einem tief ins Gesicht gezogenen Hut in einem kleinen Dorf zu verbringen. Doch Busch bleibt unvergessen, und die Leser schätzen die Arbeit des Meisters der Ironie nach wie vor: 1999 versteigert ein Kölner Auktionshaus ein Exemplar der Erstausgabe von „Max und Moritz“ für 250.000 Mark – das bisher höchstbezahlte deutsche „Kinderbuch“.
 

声明:沪江网高度重视知识产权保护,发现本网站发布的信息包含有侵犯其著作权的链接内容时,请联系我们,我们将做相应处理。